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Die Bedeutung von Laborsicherheit kann nicht oft genug betont werden. In wissenschaftlichen Laboren sind Forschende einer potenziell gefährlichen Umgebung ausgesetzt, die zahlreiche Risiken birgt: chemische, biologische, physikalische und sogar radioaktive Gefahren. Ein im November 2019 in Nature veröffentlichter Review-Artikel [1] von Dana Ménard und John Trant zeichnet ein alarmierendes Bild der allgemeinen Einstellung zur Laborsicherheit. Einige der besorgniserregenden Ergebnisse der Studie sind:
- 30 % der befragten Forschenden berichten, einen Laborunfall miterlebt zu haben, der eine medizinische Behandlung erforderlich machte.
- 15-30 % der Forschenden geben an, selbst in einen Laborunfall verwickelt gewesen zu sein oder sich im Labor verletzt zu haben.
- 25-38 % des Laborpersonals waren an Unfällen oder Verletzungen beteiligt, die weder der Projektleitung noch einer Aufsichtsperson gemeldet wurden.
- Nur 40 % der Teilnehmenden gaben an, persönliche Schutzausrüstung zu tragen, wenn sie im Labor arbeiten.
- 25 % wurden nicht zu den spezifischen Gefahren geschult, mit denen sie arbeiten.
- 27 % der Forschenden führten vor ihrer Arbeit im Labor keinerlei Risikoabschätzung durch.
Ménard und Trant zufolge sind „riskante Praktiken und eine leichtfertige Einstellung gegenüber Sicherheit in der akademischen Welt derart normalisiert, dass die niedrigen Standards weder beunruhigend sind noch für diejenigen innerhalb des Systems überhaupt ersichtlich werden.“ Mit dem Ziel, diese Einstellung zu verändern, haben wir einige grundlegende Regeln und bewährte Vorgehensweisen zusammengestellt, die Forschende befolgen sollten, um ein sicheres Arbeitsumfeld im Labor zu gewährleisten:
- Tragen Sie im Labor geeignete Schutzkleidung: Achten Sie darauf, im Labor jederzeit persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Ziehen Sie vor dem Betreten des Labors einen Laborkittel mit langen Ärmeln, geschlossene Schuhe und eine Schutzbrille an. Wenn Sie lange Haare haben, binden Sie diese zusammen und halten Sie sie beim Arbeiten aus dem Weg. Prüfen Sie außerdem, ob Ihre aktuelle Tätigkeit weitere Schutzkleidung erfordert oder ob Sie Accessoires wie Metalluhren, Ringe o. Ä. ablegen sollten. Schutzkleidung verringert nicht nur das Risiko von Schäden an Haut und Augen, sondern auch die Gefahr von Kontaminationen.
- Bringen Sie keine Lebensmittel oder Getränke ins Labor: Auch wenn es verlockend sein kann, während eines Experiments an einem Kaffee oder Wasser zu nippen, sollten Sie im Labor strikt darauf verzichten. Lebensmittel und Getränke können nicht nur zu Unordnung führen, sondern Sie auch ablenken. Zudem besteht das Risiko von Kontaminationen, da sich chemische Rückstände auf den Arbeitsflächen oder an Ihren Händen befinden könnten. Waschen Sie sich daher unbedingt gründlich die Hände, bevor Sie das Labor verlassen. Andernfalls können Rückstände von schädlichen Chemikalien, Gewebe, Bakterien usw. andere Bereiche wie den Pausenraum oder Ihren Arbeitsplatz kontaminieren und zu Erkrankungen oder anderen Problemen führen.
- Entsorgen Sie Laborabfälle sicher: Dies ist ein wichtiger Aspekt der Laborsicherheit, der von Forschenden oft vernachlässigt wird. Entsorgen Sie Chemikalien niemals über das Waschbecken, sondern verwenden Sie die dafür vorgesehenen Entsorgungsbehälter oder -container. Gießen Sie ungenutzte Reagenzien niemals zurück in die Originalflasche, sondern entsorgen Sie sie fachgerecht. Pflanzliches Material sollten Sie ebenfalls nicht über den Abfluss entsorgen, da dies zu Verstopfungen führen kann. Nutzen Sie hierfür die vorgesehenen Behälter.
Bei biologischen Kulturen sollten Sie klären, ob Seife und Wasser ausreichen oder ob ein stärkeres Mittel erforderlich ist, um gefährliche Mikroorganismen abzutöten. Informieren Sie sich außerdem über das Protokoll Ihres Labors zur Entsorgung scharfer Gegenstände wie Rasierklingen, Nadeln oder Glasbehälter. Lesen Sie Laborhandbücher und fragen Sie Kolleginnen und Kollegen oder andere erfahrene Mitarbeitende, wenn Sie unsicher sind.
- Gehen Sie vorsichtig mit Chemikalien um: Verletzungen durch Chemikalien sind im Labor relativ häufig und manchmal sogar tödlich. Ein tragisches Beispiel ist die bekannte amerikanische Chemikerin Karen Wetterhahn, die 1997 an den Folgen einer Quecksilbervergiftung starb [2]. Einige Tropfen einer quecksilberhaltigen Verbindung gelangten auf ihre Hand, drangen durch die Handschuhe in ihren Körper ein und verursachten eine Vergiftung. Monate später entwickelte sie Symptome einer Quecksilbervergiftung wie Gleichgewichtsstörungen, Einschränkungen des Seh-, Sprech- und Hörvermögens und erlag schließlich ihrer Vergiftung.
Riechen oder schmecken Sie keine Chemikalien. Seien Sie beim Mischen von Chemikalien äußerst vorsichtig. Prüfen Sie vor der Verwendung sowohl den Namen des benötigten Reagenzes als auch die Beschriftung auf dem Gefäß. Halten Sie den Behälter vom Körper weg und schwenken Sie ihn vorsichtig. Lesen Sie die Sicherheitsanweisungen in Laborhandbüchern und auf Flaschenetiketten sorgfältig durch und befolgen Sie diese exakt. Lassen Sie Reagenzgefäße niemals offen stehen, da dies zu Unfällen führen kann. Kennzeichnen Sie alle Reagenzgläser und sonstige Behälter eindeutig und markieren Sie potenziell gefährliche Chemikalien. - Gehen Sie sorgfältig mit Laborausrüstung um: Nicht nur Chemikalien, sondern auch Laborausrüstung kann bei unsachgemäßer Handhabung zu Unfällen führen. Gehen Sie daher vorsichtig mit Rasierklingen um, ziehen Sie die Netzstecker von Heizplatten und schalten Sie Bunsenbrenner aus. Wenn Sie beschädigte oder defekte Stromkabel entdecken, fassen Sie diese nicht an, sondern melden Sie sie sofort den zuständigen Stellen. Behandeln Sie zerbrochenes Glas mit besonderer Vorsicht. Sammeln Sie zerbrochenes Glas nicht mit den Händen auf, sondern verwenden Sie dafür Besen und Kehrschaufel. Denken Sie daran, alle Geräte nach Gebrauch wieder an ihren vorgesehenen Platz zurückzustellen.
- Reagieren Sie im Brandfall richtig: Lagern Sie brennbare Materialien stets in feuerfesten Schränken und räumen Sie sie nach der Nutzung sofort wieder dorthin zurück. Herumliegende entzündliche Stoffe können äußerst gefährlich sein. Gehen Sie mit Bunsenbrennern und heißen Oberflächen grundsätzlich mit großer Vorsicht um. Befolgen Sie die Anweisungen genau, wenn Sie mit Substanzen arbeiten, die explosive Eigenschaften aufweisen. Machen Sie sich zu Beginn Ihrer Labortätigkeit mit dem Standort des Feuerlöschers vertraut. Setzen Sie ihn im Ernstfall als erste Maßnahme ein. Sollte sich das Feuer jedoch ausbreiten oder der Feuerlöscher keine Wirkung zeigen, rufen Sie umgehend die Feuerwehr.
- Beschränken Sie Ihre Experimente auf das Labor: Nehmen Sie keine Laborausrüstung mit nach Hause oder an andere Orte, um Vorbereitungen zu treffen oder Experimente fortzuführen. Dies kann sowohl das Experiment als auch die Umgebung außerhalb des Labors kontaminieren. Waschen Sie außerdem die Kleidung, die Sie im Labor getragen haben, bevor Sie sie erneut verwenden.
- Bleiben Sie im Falle eines Unfalls ruhig: Auch bei sorgfältiger Arbeit können Unfälle passieren. Sollte es zu einem Unfall kommen, bewahren Sie Ruhe, denn Panik kann die Situation verschlimmern. Rennen Sie nicht, da Sie sonst über Kabel stolpern oder Chemikalienbehälter umstoßen könnten. Informieren Sie sich über die Standorte von Sicherheitsausrüstung wie Feuerlöscher, Verbandskasten, Notruftelefon und Augenspülstationen. Wenn Chemikalien oder Partikel in Ihre Augen oder auf Ihre Haut gelangen, spülen Sie diese sofort gründlich aus. Nehmen Sie Sicherheitsübungen ernst, denn sie bereiten Sie auf tatsächliche Notfälle vor. Informieren Sie außerdem stets Ihre Aufsichtsperson über Ihre Experimente und befolgen Sie deren Anweisungen sorgfältig.
- Arbeiten Sie nach Möglichkeit mit einer Laborpartnerin oder einem Laborpartner: Versuchen Sie, nicht allein im Labor zu arbeiten. Auch wenn dies nicht immer möglich ist, erhöht eine zweite Person die Chance, dass Fehler oder Unachtsamkeiten rechtzeitig bemerkt werden und somit größere Schäden verhindert werden können. Außerdem kann im Falle eines Unfalls schneller reagiert werden. Selbst bei kleineren Verletzungen, wie einem Schnitt durch zerbrochenes Glas, ist es von Vorteil, eine Person zur Unterstützung zu haben, die das Verbandsmaterial holen oder beim Aufräumen helfen kann.
- Verhalten Sie sich im Labor verantwortungsvoll: Auch wenn das Labor ein Ort für Experimente ist, sollten diese stets gut geplant und recherchiert sein. Führen Sie keine spontanen Experimente „zum Spaß“ durch. Ein Beispiel ist diese Gruppe [3] von Studierenden, die im Bericht „Fire oops“ Alkohol auf dem Labortisch verteilte und anzündete, um der blauen Flamme beim Nachzeichnen ihrer Kritzeleien zuzusehen. Bringen Sie die richtige Einstellung mit ins Labor und bleiben Sie konzentriert. Schon eine kleine Ablenkung kann zu irreversiblen Schäden und in extremen Fällen sogar zum Verlust von Menschenleben führen. Weisen Sie andere im Labor darauf hin, Abstand zu halten, wenn Sie Chemikalien mischen oder mit potenziell gefährlichen Substanzen umgehen. Prüfen Sie alles sorgfältig, bevor Sie es verwenden, und räumen Sie nach getaner Arbeit ordentlich auf.
Zwar sind Labore und Institutionen für die Sicherheit verantwortlich und es gibt Vorschriften auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, doch auch einzelne Forschende tragen Verantwortung dafür, über bloße Compliance hinaus eine Kultur der Sicherheit und Achtsamkeit zu fördern. Dies erfordert ein starkes persönliches Engagement, um sich selbst und andere vor Verletzungen zu schützen, indem man im Labor aufmerksam, sorgfältig und sicher arbeitet.
Referenzen:
- Nature veröffentlichter Review-Artikel
- 1997 an den Folgen einer Quecksilbervergiftung starb
- Horror-Geschichten über Laborunfälle
andere Referenzen:


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